Aus der Geschichte Pyrawang´s von H. Kapfhammer Passau

VOR 4000 JAHREN:
Seit vorgeschichtlicher Zeit (späten Jungsteinzeit (Chamer Gruppe), Bronzezeit (Erlau, Jochenstein)) menschliche Besiedlung und Begehung im Passauer Donautal und den angrenzenden Höhen; nachgewiesen in Passau, Buchsee, Matzenberg, Erlau und Obernzell, sowie an anderen Orten dieser Landschaft.
Siedlungsspuren der KELTEN fanden sich in Passau, Erlau und Obernzell.
RÖMERZEIT:      
       
Kaiser Vespasian (69 - 79 n. Chr.)
Kaiser Domotian (81 - 96 n. Chr.)
       
Kaiser Vespasian (69 - 79 n. Chr.)
Kaiser Domotian (81 - 96 n. Chr.)
       
Abb.*: Zwei von drei römischen Münzfunden aus Pyrawang
       
Römische Münzfunde in Freinberg (1947, 1974), in Krämpelstein ein Schatzfund (1845) und in Pyrawang 4 Münzen (1929,- bekannt seit 1979).
Ein Meilenstein - verloren aus der Zeit des römischen Kaisers Caracalla (212 - 217) in Engelhartszell.
In Passau zwei Kastelle und ein Burgus = römischer Wachturm in Bayerisch Haibach. Das von Eugippius überlieferte Wirken des Hl. Severin zeugt von der Anwesenheit romanischer Bevölkerung und Soldaten noch im 5. Jahrhundert in unserem Raum, wobei Passau mehrfach genannt ist. 1982 wurden Gedenkfeiern abgehalten anläßlich des Ablebens des HI. Severin vor 1500 Jahren mit Eröffnung des neu errichteten Römermuseums in Passau.
       
IM FRÜHMITTELALTER:
Hinweise auf Besiedlung der Pyrawanger Flur durch Freie- 8./9.Jahrhundert, bajuwarische Landnahme.
       
IM HOCHMITTELALTER:
Erste Nennung der Siedlung Pirchinwanc (1170 - 1190), und der Filialkirche in "birchenwanch" (1223).
       
Erste urkundliche Erwähnung
       
Abb.* oben: Erste urkundliche Erwähnung      
       
ÜBERSETZUNG: Wir geben zu wissen allen künfitigen und gegenwärtigen gläubigen Christen, daß Agilbert und Adela von Pyrawang von Bedingnis ihrer Eltern her Censualen des heiligen Erzmartyrers Stephan zu Passau sind zu fünf Denaren jährlich, zu Gunsten der dort Gott dienenden Brüder: Dafür sind Zeugen: der Bäcker Lampret, Bäcker Wizechint, der Münzmeister Gerhart und sein Sohn Waltmann, Herwart von Pyrawang, Megengoz, Tagino, Sibioto und viele andere.
       
Graphik ausgeführt von Angelika v. Krieglstein- Bender
   
       
Abb.* oben: Graphik ausgeführt von Angelika v. Krieglstein- Bender:
       
Wachsiegeldruck aus dem Altarblock der Filialkirche Pyrawang, Pfarrei Esternberg, aufgefunden am 18. Mai 1982. Siegier und Konsekrator: Passauer Weihbischof und Titularbischof Rudolf (urk. 1321-1335)
       
       
       
Aus dem MITTELALTER liegen Beurkundungen über Besitzverhältnisse, Schenkungen und Leistung von Abgaben insbesonders an das Hochstift in Passau mit seiner im 13. Jahrhundert erworbenen Herrschaft Viechtenstein vor.
 
ABTRENNUNG DES "INNVIERTELS" an Österreich 1779.
1782 Übertragung der Hochstiftisch - Passauischen Landeshoheit über Viechtenstein (und Obernberg) gegen Vergütung an Österreich.
Bis zur SÄKULARISATION 1803, bei der auch alle Eigentumsrechte an Österreich fielen, besteht (bezeugt seit 1549) Pyrawang als eigenständige passauische HOFMARK fort. Zahlreiche Vorgänge, die Pyrawang betreffen, sind in der Literalien des Hochstiftes Passau (schriftliche Hinterlassenschaften) überliefert.
Folgt die INTEGRIERUNG DES INNVIERTELS in den Machtapparat Österreichs durch Umorganisierung der Zuständigkeiten, Einrichtung von Ämtern etc. Schon 1783, nach dem Tod des Fürstbischofs Kardinal von Firmian, erfolgte die ERRICHTUNG DER DIÖZESE LINZ unter Herausnahme Oberösterreichs aus der durch die Jahrhunderte ständig geschmälerten Diözese von Passau; zur Dotierung mußte Passau überdies 400.000 Gulden an Österreich bezahlen.
 
1848 Aufhebung der Grundherrschaft und Durchführung der Grundentlastung, dadurch bedeutende Veränderung im sozialen Status der Landbevölkerung. Auch die Waldnutzungsrechte werden aufgehoben, dafür erfolgt Entschädigung der Berechtigten durch Zuweisung von Waldung zum Grundeigentum.
Es folgen 100 JAHRE STAGNIERENDER ENTWICKLUNG, doch die Fischerei, Schiffahrt und Flößerei verbessern wesentlich die Lebensgrundlagen der Pyrawanger und verbinden dieselben innig mit ihrer Donau.
1938 Angliederung an das Deutsche Reich. 1945 Wiederaufleben der Eigenstaatlichkeit von Österreich; Pyrawang ist wieder Grenzort. Keine direkte Verbindung mehr mit dem jenseitigen Ufer, wie seit urdenklichen Zeiten, da die Überfuhr in Pyrawang eingestellt werden muß.
1954, nach schweren Hochwasserschäden, folgen bedeutende Eingriffe in Flußlandschaft und Ortsbild infolge der Ausbauten für das Kraftwerk in Jochenstein.
 
Alt - Pyrawang Ausschnitt vor dem Kraftwerksbau
 
Abb*. : Alt - Pyrawang Ausschnitt vor dem Kraftwerksbau
 
Nun kommt es zu einer UMSTELLUNG DER EXISTENZSICHERUNG: Wenige Jahre Verdienstmöglichkeiten beim Kraftwerkbau, dann als Arbeiter in der Industrie und Gewerbe, auswärts, in Obernzell und in Passau oder anderswo. Einige betreiben zusätzlich noch ihre Landwirtschaft. Die Donau erbringt keinen Verdienst mehr. Doch der Fremdenverkehr könnte neue Möglichkeiten bieten. Zunehmende Siedlungstätigkeit ist zu beobachten.
* Abbildungen aus der Festschrift Pyrawang 1983
 
 
Bilder von Pyrawang

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